Frequently Asked Questions (FAQ)

Warum gibt es PIQ?

Trotz Zuwanderung und wieder steigender Geburtenzahlen wächst der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung weiter an. Waren im Jahr 2013 rund 21 Prozent der deutschen Bevölkerung 65 Jahre und älter, wird im Jahr 2060 etwa ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 sein. Parallel dazu steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an. Eine heute geborene Frau wird im Schnitt 83,1 Jahre alt, ein Mann durchschnittlich 78,2 Jahre. Dieser steigende Anteil älterer Menschen lässt – wenn auch nicht gradlinig – den Unterstützungs- und Pflegebedarf ansteigen. Deshalb müssen in einer Gesellschaft des langen Lebens neue Lösungen für die (vor)pflegerische Versorgung entwickelt werden. Zumal die Mehrheit der älteren Menschen sich wünscht, auch im hohen und sehr hohen Lebensalter sowie trotz körperlicher oder geistiger Einschränkungen möglichst lange in der eigenen Häuslichkeit wohnen zu können. Dem gegenüber steht ein abnehmendes Kontingent an Personen im erwerbsfähigen Alter. Bereits heute zeigt sich ein dramatischer Fachkräftemangel im Pflegesektor, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.

Welche Ziele hat PIQ?

Das Projekt zielt darauf ab, die Strukturen (vor-)pflegerischer Versorgung auf Quartiersebene zu verbessern. Dies soll durch die Bereitstellung von Informationen, verbesserten Kommunikationsstrukturen und die Förderung von Teilhabemöglichkeiten gelingen. Grundlage der Optimierung ist eine umfassende Vernetzung aller am Pflegeprozess beteiligten Akteure, Akteurinnen und Institutionen.

Wie soll sich die Information durch PIQ verbessern?

Angehörige von Pflegebedürftigen haben ein großes Interesse daran, über den aktuellen Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen informiert zu werden. Gerade bei berufstätigen oder anderweitig stark eingebundenen Personen gestaltet sich eine Kontaktaufnahme mit dem zuständigen ambulanten Pflegedienst oft aufwändig. Die PIQ-Smartphone-App ermöglicht es den Pflegebedürftigen, eine Liste mit Personen und deren Daten zu hinterlegen, die im Bedarfsfall – auch differenziert nach Uhrzeit oder Tagen – kontaktiert werden können. Der Informationsaustausch zwischen pflegerischen und medizinischen Dienstleistern über patienten- und kundenbezogene Informationen zum Beispiel zur Medikation und Einnahme soll über spezielle Eingabegeräte transparenter werden, die auch Angehörige bedienen können.

Pflegedienste werden administrativ entlastet, indem eine digitale Pflegeakte als Informationsbasis über die jeweiligen Kunden zur Verfügung steht, die auch den Informationsfluss mit dem behandelnden Arzt erleichtert. Der elektronische Pflegeberichtlässt sich auch verschicken, so dass pflegerische Informationen orts- und zeitungebunden abgerufen werden können. Über die Internet-Plattform werden Online-Schulungen für Angehörige verfügbar gemacht, die sie bei einfachen Pflegetätigkeiten unterstützen, auf Entlastungsmöglichkeiten aufmerksam machen oder Informationen z.B. zur Finanzierung zur Verfügung stellen.

Wie soll sich die Beratung durch PIQ verbessern?

Wenn Pflegebedürftigkeit auftritt, sehen sich die Betroffenen und Angehörigen häufig mit einer bisher unbekannten Situation konfrontiert, die viele Fragen aufwirft. Sie benötigen schnell eine bedarfsgerechte Unterstützung und Beratung. Die Online-Plattform bietet die Möglichkeit, die Ratsuchenden im Bedarfsfall rasch und zuverlässig an eine unabhängige und individuelle Pflegeberatung zu vermitteln.

Wie soll sich die Unterstützung durch PIQ verbessern?

Die Unterstützung und Pflege von Personen mit (vor-)pflegerischen Bedarfen wird in Deutschland in der Regel durch einen Mix aus gewerblichen und nicht-gewerblichen professionellen und ehrenamtlichen Helfenden geleistet. Die digitale Pflegeplattform bietetniedrigschwellige Austauschmöglichkeiten, die die Koordination und die Kommunikation über informelle und ehrenamtliche Tätigkeiten erleichtern.

Wie soll sich die Mobilität durch PIQ verbessern?

Zur Aufrechterhaltung der Mobilität von Pflegebedürftigen kann die Smartphone-Appbeitragen. Sie ermöglicht es Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen, sich weitestgehend eigenständig zu bewegen. Bei Orientierungsproblemen oder bei Hilfebedarf lässt sich über die App die jeweilige Person lokalisieren. Da sie im Notfall, auch bei einem Sturz, schnellstmöglich geortet werden können, kann die App auch körperlich Beeinträchtigten ein Sicherheitsgefühl vermitteln.

Wo wird PIQ modellhaft ausprobiert?

Referenzgebiet für PIQ sind die vier Gelsenkirchener Quartiere Buer-Ost, Bulmke-Hüllen, Schaffrath/Rosenhügel und Schalke. Sie sind von der Infra- und Sozialstruktur maximal unterschiedlich und werden als stellvertretend für das Ruhrgebiet betrachtet. Demografisch ist die Bevölkerungsstruktur des Ruhrgebiets anderen Regionen Deutschlands um etwa fünf bis zehn Jahre voraus. Hier finden sich sehr hohe Anteile älterer Menschen oder von Menschen mit Migrationsgeschichte sowie vergleichsweise hohe Quoten der Arbeitslosigkeit sowie ein überproportionaler Rückgang der Bevölkerung. Technische Innovationen wie Digitalisierungen im Bereich der Pflege oder Vernetzungsprozesse dienen als Modell, das als stellvertretend für andere Regionen Deutschlands betrachtet werden kann.

Wer macht was bei PIQ?

Die Fachhochschule Dortmund ist im Projekt mit folgenden Fachbereichen vertreten:Medizinische Informatik: Prof. Dr. Britta Böckmann (Gesamtleitung des Projekts), Aufgabe: Entwicklung einer digitalen Pflegeplattform, Sicherstellung der Kompatibilität digitaler Schnittstellen, Umsetzung von datenschutzrechtlichen Aspekten

Informatik mit Schwerpunkt Software-Entwicklung, Leitung: Prof. Dr. Sabine Sachweh. Aufgabe: Umsetzung der digitalen Pflegeplattform, Entwicklung einer App mit Notruf- und Kommunikationsfunktion sowie Ortungsmöglichkeit für Nutzerinnen und Nutzer.Angewandte Sozialwissenschaften: Prof. Dr. Harald Rüßler. Aufgabe: Durchführung einer Bedarfs- und Anforderungsanalyse, Ermittlung der Kosteneffizienz der geschaffenen Innovationen aus der Perspektive von Pflege- und Krankenkassen, Durchführung einer Evaluation zur Sicherstellung der definierten Projektziele.

Welche Praxispartner aus dem Pflegekontext sind dabei?

APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, Geschäftsführer Claudius Hasenau / Projektverantwortliche Marina Kranich, Aufgabe: Einbringung der fachlichen und praxisnahen Expertise der Geschäftsführung und der Mitarbeitenden in die projektbezogenen Forschungs- und Vernetzungsaktivitäten

Generationennetz Gelsenkirchen e.V., stellv. Geschäftsführerin Lisa Heite, Aufgabe: Ausbau und Optimierung realer quartiersbezogener (Versorgungs-)Strukturen und Vernetzung pflegerelevanter Akteurinnen und Akteure
BIG – Bildungsinstitut im Gesundheitswesen gGmbH, Essen, Wolfram Giessler, Bereich Personalentwicklung, Aufgabe: Ausgestaltung von Schulungs- und Beratungsinhalten, die auf der digitalen Plattform nutzbar werden.

Wie wird PIQ technisch umgesetzt?

PIQ muss die technische Aufgabe erfüllen, eine digitale Pflegeinformations- und austauschplattform als Baukasten zu entwerfen, der auch Schnittstellen zu pflegerelevanten medizinischen Systemen bereitstellt. Diese müssen bei einem Austausch von Daten und Informationen zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens überbrückt werden. Die digitale Pflegeplattform wird Module zur Bereitstellung von Informationen, zur Vernetzung, zur Weiterbildung, zur Einrichtung von Marktplätzen, Online- Schulungen, Beratungen uvm. Enthalten.

Welche Herausforderungen muss PIQ meistern?

Die im Projekt PIQ zu entwickelnde Lösung muss den hohen Datenschutz- und Datensicherheitsanforderungen der Verwaltung personenbezogener Daten entsprechen. Sie muss auf eine intuitive, barrierearme und gendersensible Nutzung auch wenig technikaffiner Menschen abgestimmt sein. Es muss sichergestellt sein, dass pflegerelevante medizinische Informationen ausgetauscht werden können. Ein elektronischer Pflegebericht muss an stationäre Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser versendet werden können, wenn die hilfebedürftige Person in eine solche Einrichtung verlegt werden muss. Ein besonderes Augenmerk liegt auf einem flexibel erweiterbaren und wartbaren System, das niederschwellig in Bezug auf die Anschaffungskosten ausgelegt ist und hohe Datenschutz- und Sicherheitsstandards erfüllt. Bei einer Nutzung ist immer die Einwilligung und Mitbestimmung der Patienten erforderlich. Ihre Betroffenenrechte (Recht auf Auskunft, Sperrung, Löschung, Berichtigung) sind zu gewährleisten.

Wie kann die Akzeptanz von PIQ bei den Nutzern sichergestellt werden?

Bisherige speziell für ältere Menschen entwickelte technische Anwendungen wurden häufig von den tatsächlichen Nutzern als nicht bedarfsgerecht empfunden. U.a. aus diesem Grunde konnte eine langfristige und flächendeckende Nutzung der Produkte bislang nicht erreicht werden. PIQ geht bewusst anders vor. Um bedarfsgerechte und ansprechende Produkte zu entwickeln, die einen niedrigschwelligen Zugang für Ältere ermöglichen, werden die Nutzerinnen und Nutzer von Beginn an in den Entwicklungsprozess einbezogen. Sie fungieren so als Koproduzentinnen und Koproduzenten der angestrebten technischen Entwicklungen im PIQ-Projekt. Dabei werden sie kontinuierlich am Entwicklungsprozess beteiligt, indem Prototypen der Anwendungen erstellt und diese von den beteiligten Nutzerinnen und Nutzern bewertet und angepasst werden können. Somit lässt sich das finale Produkt gut in den Alltag seiner potenziellen Nutzerinnen und Nutzern integrieren.

Wer finanziert PIQ?

Das PIQ-Projekt wird durch das Land NRW und die EU im Zuge des Europäischen Fonds fürRegionale Entwicklung „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ (OP EFRE NRW)gefördert. Darin werden Leitmarktwettbewerbe der Landesregierung für Forschungsprojekte ausgerufen, die insbesondere die zukünftigen Entwicklungen des Landes NRW unterstützen sollen. Dies betrifft z.B. die Entwicklung innovativer Technologien oder von Quartiersentwicklungsprozessen im Zuge des demografischen Wandels. Das PIQ-Projekt gehörtdabei zum „Leitmarktwettbewerb Gesundheit NRW“ und wird über einen Zeitraum von dreiJahren (2016-2019) gefördert.